Pressestimmen zu ALASAC: Fresh Kills Landfill
BRENNENDEN HERZENS GEN WESTEN: A LIFE A SONG A CIGARETTE
Die heimische Folkrock-Band veröffentlicht ihr Debütalbum "Fresh Kills Landfill" - Ein Gespräch mit Sänger Stephan Stanzel über Vorbilder, Labelsuche und die Magie des Livespielens.
Wien - A Life, A Song, A Cigarette. Der Name klingt verwegen und existenzialistisch. Ihn umgibt die Aura von mindestens Charles Bukowski, im Geiste hängt Tom Waits über seinem Klavier, Rauchschwaden in einer blickdichten Bar, ein paar hoffnungslose Statisten in trüben Winkeln, Vertreterinnen der käuflichen Liebe nach Feierabend, das volle Programm.
Die erste Überraschung des Debütalbums der ebenso benannten Wiener Band ist, dass derlei Klischees auf "Fresh Kills Landfill" nicht erfüllt werden. Zwar trinkt Sänger Stephan Stanzel beim Interviewtermin am Nachmittag standesgemäß Bier, raucht todesverachtend Lucky Strike und trägt mehrheitlich schwarz.
Doch die Musik der sechsköpfigen Band aus Wien erschöpft sich trotz melancholischer Breitseite nicht in nachgestelltem Kunstleidertum, sondern klingt, als könnten die mit brennenden Herzen Vortragenden auch noch zu später Stunde mit beiden Beinen fest am Boden ihrer Anliegen stehen. Ganz toll klingt in diesem Zusammenhang Virginia "Ginger" Dellenbaugh als zweite Stimme. Derlei Emphase macht auch den stellenweise stärker durchschimmernden Einfluss von Conor Oberst und seinen Bright Eyes locker wett.
Stanzel: "Es stimmt schon, dass wir Bright Eyes hören und mögen. Aber es gibt ja wohl größere Idioten als Vorbilder als den Oberst - und der hat die Musik, die er spielt, ja auch nicht erfunden." Wohl wahr. Neben zahllosen Auftritten in der letzten Zeit war die Band vor allem damit beschäftigt, ein Label für ihr Album zu finden, "ohne dabei abgezockt zu werden", wie Stanzel erzählt.
Man bemühte sich um Förderungen beim Österreichischen Musikfonds - die man nicht bekam - und landete schließlich beim Wiener Independent-Label Siluh Records, das Bernhard Kern und der Schauspieler Robert Stadlober betreiben. Wie kam es dazu? "Wir haben ihnen erzählt, dass wir auf Labelsuche sind, darauf haben sie gesagt, 'Nehmt's was auf, wir bringen's raus'. Und so war's dann auch."
Die Ergebnisse können sich hören lassen, sind frei vom oft wie Ausschlag an Werken haftenden Mief der Kopie oder des österreichischen Provinzialismus. A Life, A Song, A Cigarette bewegen sich auf einem Terrain, das zurzeit "klassischer Independent Music" Platz bietet, also sich stellenweise rockig gibt, andernorts eher folkig erscheint oder - wie hier bei der Eröffnungsnummer - zu gezogenem und gequetschtem Akkordeon auf den Wellen der See gen Westen schippert, standesgemäß den Flachmann in der Brusttasche.
Anfragen aus den USA. Dort, im fernen, Wilden Westen, gibt es auch schon einige Vorbestellungen für das Ende dieser Woche in den Handel kommende Album. Stanzel: "Über unsere MySpace-Seite gab es bereits einige Anfragen und Vorbestellungen aus den USA. Wir hoffen natürlich, dass es noch mehr werden, nachdem wir unsere Promo-Offensive gestartet haben werden."
Im Mai steht die Deutschland-Veröffentlichung an, in die die Band große Hoffnungen setzt: "Wir wünschen uns vor allem viele Live-Gigs. Das ist mir persönlich überhaupt das Wichtigste, der Grund, warum ich überhaupt mit Musik angefangen habe, nämlich die Interaktion mit dem Publikum", erzählt der auch in Ernst Moldens Band als Bassist spielende Frontmann.
"Fresh Kills Landfill" ist jedenfalls eine der besten heimischen Debütveröffentlichungen seit langer Zeit. Songs wie das bläserunterstützte Change oder die Uptempo-Nummer "Falling Autumn" sind sowieso Hits. Man muss sie bloß noch als solche erkennen.
[DER STANDARD | Print-Ausgabe | Karl Fluch | 25.01.07]
Ein Beispiel für tolle Musik aus Österreich, die wieder niemand hören wird, weil der Starmania-Unfug die ganze Aufmerksamkeit abräumt: Mit einem Auge richtung Country schielender Rock - eine CD voller Hits!
[Kurier | Guido Tartarotti]
[ZEIT IM BILD | 31.01.07 | 13:00 | Klaus Totzler]
Albert Farkas (FM4) über Fresh Kills Landfill / ALASAC
Vorgeblich-verächtliche Ästhetik, überheblicher Tonfall, zynisches Mienenspiel. Bis vor kurzem galten die Frühachtziger Goth-Selbstinszenierer Bauhaus als eine der essentiellen Referenz-Bands unter den süffisanteren Poseuren der heimischen Indie-Schickeria. A Life, A Song, A Cigarette klingen um nichts wie Bauhaus. Sie klingen wie ein Baumhaus. Strebsam der Schwerkraft trotzend, auf tief verwurzelter Grundlage, Refugium für verschworene Gesinnungs- und Schicksalsgenossen, leicht entflammbares Gebilde an der Schwelle zum unbekümmerten Verlust der Unschuld (der titulare lodernde Zigarettenstummel!). Etwas, das den Keim einer künftig in Gewogenheit konservierter Erinnerung in sich birgt.
Aber all dem zufolge, was wir über diese Band wissen, könnten diese Songs auch genauso gut von eiskalt kalkuliertem Versicherungsbetrug, 13 sicheren Tips auf dem Weg zum Schachgroßmeister oder Frisbeewurferfahrungen handeln. So unberechenbar ist das, was sich im Kopf der hauptbeisteuernden Ideenquelle Stephan Stanzel abspielt. Wobei letztere drei Mutmaßungen wohl eher der nicht so wahrscheinlichen Kategorie zufallen. Was Kenner von A Life, A Song, A Cigarette hingegen bisher als verifizierte Fakten verbuchen konnten, ist Stanzels untadeliges musikalisches Wertesystem. Wer seine Gemütslandschaft im Namen des einzig wahren country rock solchen lebensgezeichneten Weisheitsdestillierern wie Gram Parsons oder Joni Mitchell zum Gestalten überantwortet, beschreitet nicht nur einen in diesen Breiten und Zeiten geradezu unberührten Pfad, sondern ist einfach auf einem guten Weg. Was A Life, A Song, A Cigarette als übergeordnete Gemeinschaft sonst noch so hören, trägt allesamt das lange und hart erarbeitete Gütesiegel des Aufrichtigen, Statthaften, Berührenden und Bekömmlichen. Wie etwa Big Star, the Go-Betweens, Belle & Sebastian und, äh, die Beatles & die Stones. Auch ihre Lieblingsfarben und bevorzugten Wochenendbeschäftigungen sind ebenso anständig wie unerheblich, was das schimmernde, pfeifende, zuckende und spotzende Ereignis des in Fahrt gekommenen Zusammenspiels dieser Band betrifft.
A Life, A Song, A Cigarette haben irgendwann Anfang dieses bezeichnenderweise spitznamenlos verbliebenen Jahrzehnts beschlossen, sich nach und nach zusammenzufinden (möglicherweise war es 2003). Alle Bandmitglieder stammen aus Fragmenten von Österreich. Manche von unter bestimmten geographischen Gesichtspunkten betrachtet weit weg, manche nicht. Wiederum andere kommen aus Simmering. Zur Gegenwart hin haben sich mehr als manche von ihnen in das mosaikhafte Vexierbild des Wien-Daseins (zusammen-)gefügt. Und die Stadt gibt und nimmt.
Das gesagt habend, liegt die Essenz am Erleben dieses Verbundes emphatisch unperfekter Feinheitskämpfer ja aber eben natürlich jenseits abzuhakender (Beinahe-)Daten: Dieser Einander- und Selbstfindungsprozesses der Band findet seine Erfüllung nämlich außer in einem abendfüllend opulenten Arrangementkomplex auch noch in einem alle anderen Erwägungen überragenden Gefühl der Zuneigung, das man diesen Menschen gegenüber empfindet.
Ähnlich einem possierlichen Welpen gegenüber, der seinem Herrchen in dessen Abwesenheit die Informatikhausaufgaben löst. Komm schon, nimm sie doch in den Arm. Du weißt, du willst es.
Ein Abbild des ausschweifenden emotionalen Radius' von A Life, A Song, A Cigarette ist die Idee hinter der Benennung ihres ersten Albums "Fresh Kills Landfill". Auf diesen Namen hörte, bevor sie vor kurzem aufgelassen wurde, die größte Mülldeponie der Welt auf Staten Island/NY. Ein Ausbund von "Milliarden von zusammengepferchten Gegenstandssplittern, die alle ihre eigene Geschichten erzählen, und denen nur gemeinsam ist, dass sie jetzt alle Asche sind" (Gitarrist Hannes Wirth). Heute ist Fresh Kills Landfill eine gedeihlich sprießende Parkanlage, an welcher Stelle es angemessen erscheint, dass Virginia "Ginger" Dellenbaugh auf der mentalen Bildfläche erscheint. Dass die reichfasrige, vor und durch Erfahrungsreichtum vibrierende Stimme der Sängerin der kosmofolkistischen Kunstverständigen Waitstill Baxter den Großteil der auf der Platte befindlichen Lieder ihre Veredelung erfahren lässt, kommt einer Bernsteinvertäfelung für besagtes Baumhaus gleich.
Stanzel und Spießgesellen flüchten vor der gängigen Realität aus Call-Center - Warteschleifen (und - Jobs), Wikipedianachmittagen und Mikrowellengerichten nicht in eine entlegene, mythologisierte Vergangenheit, aber sie krallen aus dem Schwall dieser postmodern-prosaischen Alltäglichkeit den gebührlichen Raum für die Dramatik der eigenen Befindlichkeit zurück. Sie machen aus ihrem Herz keine Mördergrube, so lange sie nur die Möglichkeit bekommen, irgendetwas anderes damit zu machen. Oder, wie es Mentor der ersten Stunde Ernst Molden, der nicht aus der Autoritätsposition eines global verkaufenden Popstars, sondern jener als wahrhaftige Stimme des Unterbewusstseins von Musik-Österreich, artikuliert:
"Sie heiraten? Buchen Sie diese Band! Sie sterben? Holen Sie diese Musiker an Ihr Grab! Sie tun grad keines von beiden? Geben Sie trotzdem keine Ruhe, bis die Songs von A LIFE, A SONG, A CIGARETTE in der Jukebox ihres Vertrauens stecken."
"...fällt das Augenmerk sofort auf das untrügliche Gespür für große Melodien. Eingängig und doch mit ausreichend Kanten, um sich von der Musik von der Stange deutlich abzuheben. Stephan Stanzel, im Nebenjob als Gastarbeiter am Bass in der Ernst Molden Band, hat eben das Talent und die Gabe Lieder zu schreiben wie die Haare fallen. Aber Haarspaltereinen beiseite, "Fresh Kills Landfill" ist eine außergewöhnlich gelungene Ansammlung von mehrstimmig gesungenen Sehnsuchtsliedern. "
[Mario Lang, Augustin 12/06 01/07]
Rockiger Ausflug der Festwochen
GMUNDEN. Mit genialen Pophymnen begeisterte die Rockgruppe A Life, A Song, A Cigarette das Festwochenpublikum in der Gmundner Hipphalle. Die sechs unbekümmerten jungen Herren aus Wien, die sich handstreichartig an die Spitze der alternativen Musikszene katapultiert haben, schicken mit intelligenten und mitreißenden Nummern jede Ö3-Boygroup unter die Brause. Ihren sperrigen Bandnamen wird man sich merken müssen.
[OÖ Nachrichten | ebra]
Barbara Matthews (FM4) über A Life A Song A Cigarette @ Gravity Festival Wien:
Fünf Wiener mit einer Vorliebe für Indie-Country Romantik und stürmische Seemannslieder. Man könnte ALASAC als Post-Bright Eyes bezeichnen: Sie nehmen sich gesanglich und textlich die Sensibilität und Verletzbarkeit ihrer Indie-Idole als Vorbild und kombinieren das mit ihrer eigenen Mischung aus druckvollen, intensiven Gitarren. In den ruhigeren Momenten haben Cello und Akkordeon die notwendige melancholische Romantik beigesteuert. ALASAC sind mittlerweile schon Veteranen der heimischen Bühnen (am Vortag sogar Vorband bei The New Pornographers) und wissen, wie man ein Publikum einfängt und mitreißt. Broken hearts never sounded so good.
franzjoseph - 31. Okt, 00:06














